Freitag, 22. April 2016

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Bern's älteste Glasmaler-Familientradition der Gegenwart feierte 2016 das 100jährige Bestehen dieser Atelier-Werkstätte. 

 Glasmaler und Kunstglaser Martin Halter - Atelierführung in dritter Generation Ort: Bern /Schweiz
Um ein Glasgemälde wirklich „geniessen“ und verstehen zu können, ist es vorteilhaft, einiges über seine technische Ausführung zu wissen; denn es gibt kaum eine andere Malerei, bei der Material und seine Bearbeitung in so umfassender Weise die Wirkung mit bestimmen. Dieses Material und seine künstlerische Anwendung sind heute wieder fast dieselben, wie sie bei den ersten Glasgemälden aus vergangenen Zeiten im 11. - 15. Jahrhundert. Allerdings gibt es inzwischen Bereiche, wo sich z.B. Werkzeuge und z.T.  auch das Material gewandelt haben – somit ist einem Vergleich zu früher nicht mehr ganz standzuhalten. Ansatzweise wird Vieles immer noch in ähnlicher Art und Weise umgesetzt.
„Glasmalerei“ erweckt den Eindruck, als ob auf eine grosse Fenster-Glasscheibe gemalt, also die Farben aufgetragen würden. Die Bezeichnung „Glasmosaik“ käme der wirklichen Technik eigentlich näher, denn ein „Glasgemälde“ ist in Wirklichkeit ein Zusammensetzspiel aus farbigen Einzel-Glasteilen (je nach stilistischer Umsetzung 300-500 pro m2). Für jede neue Farbe ist auch ein neu zugeschnittenes Glasteil notwendig, das durch eine gezogene Bleirute mit „seinem Nachbarn“ verbunden ist. Allumfassend kann die Bezeichnung „Glasmaler“ (Künstler), als absolut richtig erachtet werden. Wie er beim Aussuchen der Farbgläser im übertragenen Sinne „malt“ - durch, mit dem Licht seiner Tätigkeit nachringt – wohl steht ihm in diesem Moment kein Aquarell-Farbkasten zur Verfügung. Ebenso wäre eine andere Bezeichnung, wie Glaszeichner gleichermassen verwerflich und würde die Distanz zu seinem effektiven Wirken nur noch vergrössern.
Die Glashütten sind in Frankreich und Deutschland als aktive Produzenten des Werkstoffes anzutreffen. Die in der Glasmasse meistens durchgefärbten Gläser (mit Oxyden + Salzen), werden zu Kolbenformen geblasen und dann weiter zu offenen Hohlzylindern weiterverarbeitet. Die Verabeitungstechnik geht weit bis ins 11. Jh. zurück und die Rezepte für die Einfärbung der Gläser, - entstammen viele aus den damaligen mittelalterlichen Klöstern. Die Fertigung des „Echt“-Antikglases ist mit einem relativ grossen und risikovollen Aufwand verbunden. In der Folge werden die fertig ausgekühlten Glas-Hohlzylinder der Länge nach aufgeschnitten. Sie werden in einen Streckofen befördert, um sie mit einer Stange offenzulegen und letztendlich  werden sie anschliessend mit einem Rakel „geglättet.“ Alsdann durchwandern sie als fertige Glastafeln (ca. 61 x 85 cm) nochmals einen Kühlofen. Die Abkühlung des fertig fabrizierten Glases muss kontrolliert erfolgen.
Ab Fabriklager gelangen die meisten Glastafeln in die jeweiligen Ländern zur Zwischenlagerung,um diese durch einen Importeur im Angebot zum freien Verkauf an die Glasmaler-Werkstätten zu verkaufen. Die Gläser können selbstverständlich auch direkt ab Glashütte erstanden werden. 

Dieser Glas-Reichtum (bis zu 5'000 rezeptierte Farbnuancierungen im Handel) setzt den Künstler zumal unter Druck, in dem er sich vorzugsweise einem intensiven Studium unterziehen lässt, um mit diesem Werkstoff überhaupt klar zu kommen. In der Regel braucht es eine geraume Zeit, bis sich jemand soweit gerüstet fühlen darf, um sich nicht gleich einem Materialfetischismus unterwerfen zu müssen. Die farbige Schönheit dieses „Antikglases“ steht dem Material der alten Meister in keiner Weise nach. Heute steht eine viel grössere Farbenpalette zur Verfügung, als es zu den Anfangszeiten der Fall war.

Der Künstler, der auf Papier seinen Entwurf macht, sollte jeden Augenblick dessen bewusst sein, wie er materialgerecht den Weg dazu finden kann, am ehesten seine Ideen umzusetzen. Die besonderen Möglichkeiten, aber bisweilen auch gewisse Einschränkungen kennen, die ihm bei seiner Entwicklung einer Arbeit auferlegt verbleiben. Vieles lässt sich umsetzen, aber was auf Papier gefällt, muss nicht automatisch für eine Glasverarbeitung ausreichen. In einer ersten Phase beginnt man in massstäblicher Verkleinerung mit Farbskizzen. Zeichnerische Studien sind manchmal angesagt, um den Verlauf einer Vorstellung zu konkreti-sieren. Manchmal erfordert es einen Entwurf in natürlicher Grösse. Sicherlich benötigt es einen genauen Scheibenriss im Mstb. 1:1, bevor man mit der effektiven Ausführung beginnen kann.

Auch heute kommt ein Glasgemälde einer Gemeinschaftsarbeit gleich, denn, ein Künstler ist in der Regel auf die Mitarbeit einer Glasmalerwerkstatt angewiesen. Das heisst, ein gelernter Glasmaler und gelernter Kunstglaser  - sofern er auch einen künstlerischen Esprit vertritt -   kann völlig unabhängig sein eigenes Werk – vom Entwurf bis zum Enderzeugnis –   natürlich selber machen.





Vom Scheibenriss  paust der Glasmaler einzig die Glasschnitlinien auf ein dickes Papier und jedes Feld wird fortlaufend nummeriert, um eine Verwechslung bei der weiteren Verarbeitung auszuschliessen. Alsdann schneidet er die Formen mit einer Doppel-Klingenschere (oder Doppel-Klingenmesser) zu Schablonen aus. Der Doppelschnitt mittig über die Linie führend, bewirkt, dass jeweils ein dünnes Papierstreifchen von ca. 1.5 mm entfällt. Dieser Zwischenraum wird wiederum später bei der Verbleiung beansprucht. Das Bleiprofil im Querschnitt weist eine „liegende“ H-Form auf. 



Mit Hilfe der Entwurfsvorlage werden nun die unterschiedlichen Farbtöne für die entsprechenden Schablonen-Stücke (durch den Künstler, mit Unterstützung des Kunstglasers) vorbestimmt und ausgesucht. Der Kunstglaser übernimmt den Zuschnitt der Einzel-Glasteile. Die jeweilige Schablonenform wird auf das ausgesuchte Glasteil aufgelegt und mit der einen Hand auf der Glasoberfläche festgehalten. In der anderen Hand einen Glaserdiamanten oder ein Stahlrad haltend - fährt der Kunstglaser genau der Schablonenform nach – bricht vorweg, nach jedem ausgeführten Schnitt den Rest des Glases mit der Hand oder einer Brechzange weg. Enge Einbuchtungen erfordern ein besonders Geschick für einen Kunstglaser. Ihm stehen folgende Möglichkeiten zur Auswahl; den bereits ausgeführten Schnitt mit einem Hämmerchen rückseitig des Glases zu beklopfen, solange bis die Schnittstelle als durchgebrochen wahrzunehmen ist. Entweder fällt der nicht mehr zu verwendende Teil des Glasstückes von alleine ab oder wenn  die Einbuchtung zu eng ist, muss das restlich verbleibende Glas mit einer Zange sorgfältig weg gekröselt werden. Dabei muss darauf geachtet werden, dass sich an den Glasbruchstellen keine Flinsen bilden – die bei einer unsorgfältigen Bearbeitung entstehen und bei Unachtsamkeit nach der Verbleiung auch neben der Bleiwand als störend in Erscheinung treten. Der Zuschnitt von Antikgläsern kann sehr anspruchsvoll sein und je nach Schwierigkeitsgrad, ist ebenso die handwerkliche Geschicklichkeit bei einem Kunstglaser abzuleiten. Demnach werden alle Glasteile einzeln – Stück für Stück -  auf diese Weise zugeschnitten. Die Glasfarben-Auswahl und der Zuschnitt bilden einen wesentlichen Faktor für die Entstehung einer Glasmalerei, - eines Glasbildes.
Schlussendlich kann der fertige Zuschnitt in seiner Gesamtwirkung auf einer Glasplatte überprüft werden, indem man vor einem Fenster auf einer Tischplatte, eine Spiegelfläche bereit hält und die Glasplatte mit dem farbigen Zuschnitt auf mittlerer Distanz darüber hält oder auf Böcken abstützt. Durch den Tageslichteinfall auf die Spiegelfläche wird der farbige Zuschnitt somit gut überprüfbar.
Danach wird der Scheibenriss unter einer Fensterglasplatte gelegt und die zur Bemalung vorbestimmten Einzelteile werden genau im Verband aufgelegt (unter Kontrolle der Einhaltung einer regelmässig ausgerichteten Kernbreite /Abstände Stück für Stück). Die nun fertig aufgelegten Glasteile, werden mit flüssig erhitztem Bienenwachs provisorisch unverrückbar fixiert. Die überschüssigen Ablagerungen auf den farbigen Glasteilen werden entfernt und entfettet.
Dieses Glasmosaik stellt der Glasmaler auf eine gegen das Licht (Fenster) gerichtete Staffelei (mit einer matten Glasplatte) als Auflagefläche ausgerüstet – darunter befindet sich eine Spiegelfläche, welche das Tageslicht durch das Fenster aufnimmt und sogleich im Ausfallwinkel durch die Mattscheibe der Staffelei wirft. Ohne Kunstlicht bemalt somit der Glasmaler sein Glasbild, das ja normalerweise auch durch das Tageslicht am Bestimmungsort durchflutet werden will.
Die Schwarzlotfarbe in Pulverform (bestehend aus Hammerschlag, Eisenoxyd – mit Glasfritten angereichert) wird mit Wasser angerieben und mit der Beifügung von etwas Gummi Arabicum, wird sodann eine vorteilhafte Konsistenz der Glasmalfarbe erreicht. Mit einem grösseren Pinsel wird eine wässerige und dünn aufgetragene Farbschicht über alle Gläser angelegt, um sie gleich mit einem Dachshaarvertreiber gleichmässig über das ganze Glasbild verteilen zu können. Diese Farbschicht kann je nach Bedarf  - heller oder dunkler – aufgetragen werden. Dem Glasmaler dient der darunter gelegte Scheibenriss als Vorlage, um dann die Konturlinien mit einem Rindshaar-Pinsel, möglichst genau übertragen zu können. Sobald der Schwarzlotfarbe mehr Wasser zugeführt bleibt, kann eine lavierende /lasierende Linienführung erzielt werden – weniger Wasser heisst, eine Linie kann deckend auf die Glasoberfläche aufgetragen werden.

Die mit der Glasmalfarbe erzielten Effekte reichen von der konventionellen Linie bis zu zarten Modellierungen von Gesichtszügen oder anderen Details. Neben der Pinselführung, stehen dem Glasmaler auch andere Bearbeitungs-Untensilien zur Verfügung. Gänsekiele, Nadeln, Hölzer zur Radierung von patinierten Flächen (Damaste, Ziselierungen, Lichtkanten u.s.w.) und weitere Stupf-Pinseln in unterschiedlicher Ausrichtung (Volumen, Haarlängen zur Bearbeitung und Erreichung einer Licht-/Schattenwirkung, einer bisweilen angestrebten 3-Dimensionalität).

Sobald die Glasmalerei fertig konturiert und bearbeitet ist, werden die Einzel-Glasteile wieder von der Glasplatte abgelöst (abgewachst). Rückseitig kontrolliert und gereinigt, werden die Einzel-Glasteile auf die mit Kreidemehl bestrichenen Stahlplatten in einem Keramikbrennofen eingelegt. Der Brennprozess dauert je nach Ofengrösse und Einstellung zirka 2.50 Std. um die Erweichungstemperatur von ca. 560°C – 600°C zu erreichen. Diese Temperatur wird beansprucht, damit sich die Schwarzlotfarbe mit der Glasoberfläche kratzfest verbinden kann. Insbesondere die in der Schwarzlotfarbe beigemengten Glasfritten (Glaspulver) sind für diesen prozessualen Akt verantwortlich.

Nach kontrollierter Abkühlung des Brennofens, werden die gebrannten Gläser wieder ausgesetzt. Entweder bedürfen sie einer weiteren glasmalerischen Bearbeitung oder es werden für einen zweiten Brand, rückseitig noch Email-Transparentfarben aufgetragen. Eventuell sind Nachbesserungen aufzutragen.


Sobald alle glasmalerischen Arbeiten getätigt sind, werden die jetzt noch losen Glasteile, durch den Kunstglaser zu einem ganzen Glas-Blei-Gefüge zusammen „verbleit.“ – Das heisst, um jedes einzelne Glasteil wird eine biegsame Bleirute (Querschnitt – liegendes H-Bleiprofil) gelegt und das jeweilige Profil angedrückt. Das Einfassen der Einzel-Glasteile erfordert bisweilen eine sehr sensible Einstellung, um am Ende den Massvorgaben tatsächlich entsprechen zu können. Eine exakte Vorgehensweise bringt mehr Vor- als Nachteile. –
Damit sich, die im Verband festverankerte Verbleiung, wieder aus ihrer provisorischen Fixierung von der Fläche herauslösen lässt (und nicht wieder in Einzel-Glasteile auseinander zerfällt), müssen die Blei-„Bunden“ (die Bleiprofil-Zusammenführungen) mit Zinn verlötet werden. Mit einem Flussmittel (Olein) werden die Lötstellen kurz mit einem Pinsel betupft. Mit einer Zinnlegierung 60% oder 70% Zinn zu 40% resp. 30% Blei ist es möglich, mit einem Lötkolben bei einer Verarbeitungs-Temperatur von 183°C die Zinnstange vorweg zu verflüssigen, um einen effizienten Lötvorgang zu ermöglichen. Aus Erfahrung birgt eine regelmässig aufgetragene Zinnschicht, über sämtliche Bleinetzführungen, eine weitaus bessere Bediener-Freundlichkeit für die Zukunft mit sich. Der Bedarf an Lötzinn ist deswegen nicht höher einzustufen, zudem oxydiert ein beidseitig verzinntes Bleiprofil viel weniger schnell.      
Nach der fertigen Einfassung mit Bleiprofilen und deren Verlötung, bedingen die kleinstmöglichen  Zwischenräume zwischen Glasoberflächen und den Bleiwandprofilen, dass sie noch mit dick-flüssiger Kittmasse zu weiterreichender Stabilität aufgefüllt werden. Die Kittmasse wird in die Zwischenräume eingetrieben, mit aufgestreutem Kreidemehl wird die Masse an den Bleiprofil-Rändern gestoppt, sodass sie nicht wieder hervorquellen kann. Mit Sägemehl wird die abgelagerte Kittmasse auf den Glasoberflächen ausgebürstet und mit einem, leicht in Petroleum angefeuchteten Lappen die Scheibenfläche abgerieben, um sie schlussendlich mit neuem Sägelmehl mittels Wolllappen komplett zu polieren. Diese Schilderungen beschreiben die Entstehung und Umsetzung einer Glasmalerei. Nicht viel anders werden übrigens die Fenster-Einheiten für Kirchenfenster hergestellt/umgesetzt.



Inwieweit sind Richtlinien zur Konservierung historischer Zeugen zu verstehen, ohne dass sie vor einer Umsetzung missverstanden werden?
Glasmaler-Restaurator Martin Halter Bern

Die Richtlinien über konservatorische Massnahmen zur Erhaltung von Glasmalereien + Bleiverglasungen (Kirchenfenster und Glasgemälden) sind wohl in guter Gesinnung für dieses Kulturerbe zusammengestellt und aufgeführt. 

Jedoch für die praxisnahe Umsetzung einer wünschbaren Resultatsverbesserung fehlt es in manchen Belangen. Am ehesten widerspiegelt sich diese uneinheitliche Situation in der Gegenwart,  sobald man sich als Glasmaler und Kunstglaser mitten drin damit zu beschäftigen hat. Da gehören ebenso die sensibel ausgeführten Restaurationen an geschädigter Glasmalerei dazu.
Nun bin ich seit 50 Jahren als gelernter Glasmaler /Kunstglaser aktiv an vorderster Front tätig und stelle fest, dass sich zwischenzeitlich betr. Regelung auf dem Gebiet zur Erhaltung von Glasmalereien (Reparaturen /Restaurationen) wohl einiges verändert hat. Insbesondere ist die Thematik jetzt ansatzweise in seiner Komplexität sehr weit mehr ausgeweitet worden, als es noch vor 50 Jahren der Fall war. Allerdings haben sie sich auch zum Nachteil der eigentlichen Substanz fehlentwickelt, durch die jetzt geltenden Einflussnahmen, wurde die Distanz zu diesem Kunsthandwerk weit mehr vergrössert, als ihm selber lieb sein kann.  

Die nun in der Gegenwart überproportionale Einflussnahme einer wissenschaftlichen Doktrin, zur Sicherung und Rettung schadhafter Glasmalerei /Bleiverglasung widerspricht dem Anspruch, sich diesem Themenbereich ernsthaft und effizient ganzheitlich annehmen zu wollen. Weitgehend wurden die Konservatorischen Richtlinien zu Restaurations-massnahmen bei Glasmalereien von Exponenten der Wissenschaft aufgestellt. Genauer betrachtet erschöpfen sie sich in manch widersprüchlichen Punkten und lassen bei gewissen Sachverhalten eine zu offene Unverbindlichkeit zu. Somit bleibt die Möglichkeit für jede Entscheidungsfindung soweit vorbehalten, eine jeweils subjektiv personifizierte oder beliebige Massnahme anzuordnen. Was dann erfahrungsgemäss den Ablauf bei einer Überarbeitung einer geschädigten Glasmalerei   - zufällig einmal positiv, einmal negativ - mit beeinflussen kann. Die theoretischen Entscheide via grünen Tisch, hatten bisher schon mancher Glasmalerei unnötigen Schaden hinzugefügt. Niemand fühlt sich dazu verantwortlich - nein, zu gegebener Zeit lassen sich Akademiker wie folgend vernehmen: Fehlentscheide oder gar Fehlleistungen widerspiegeln sich im Zeitgeist, einer tolerierbaren Historie.  
 Zudem werden vielfach in vermehrtem Masse Untersuchungen an der Substanz eingeleitet, worüber man sich über Sinn oder Unsinn streiten kann. Aufgrund bestimmter Untersuchungsresultate kann es vorkommen, dass eine in sich gemachte Beobachtung dazu führen kann, sie aus rein wissenschaftlicher Begründung wertmässig höher einzustufen und gestützt auf diese Situation, in der Folge bei einem bereits eingeleitenden Restaurationsverfahren die Ausrichtung, ohne weitergehende Erklärungen zu verändern und demnach auf andere Prioritäten setzt. Selbst wenn begründete Zweifel im Raum stehen, bleibt bisweilen der restliche Zusammenhang einer ganzheitlichen Materie ausgeklammert. Mitunter bleiben soweit Fragen unbeantwortet, wer je nach Entscheidungsfindung die Verantwortung dafür in naher Zukunft übernehmen wollte. Bei solchen Situationen wird dem Schreibenden sehr stark bewusst, wenn zwischen dem Historiker und dem Praktiker keine einvernehmliche Lösung zufällt – zu Gunsten der zu bewahrenden Substanz -  kann sich meistens derjenige durchsetzen, welcher die höhere Stufe in der Hierarchie vertritt... – selbst dann, wenn es sich um eine nachzuweisende Fehleinschätzung handelt. - Eine unhaltbare Situation.

Weil der geltende Stellenwert einer rein wissenschaftlichen Aussage in unserer Gesellschaft weit höher gewichtet wird, als andererseits, die Stellungnahme eines Glasmaler-Restaurators – werden Meinungsverschiedenheiten zwischen Theoretikern und Praktikern, nur äusserst selten genug ausdiskutiert. Kaum will man zur Kenntnis nehmen, dass sogar die Original-Substanz darunter zu leiden hat und wenn sich dann schon bald einmal, durch einen akademisch ausgerichteten Fehlentscheid, sich  neu bildende Schäden am Objekt bemerkbar machen, - da bleiben in der Regel die betreffenden Exponenten von ihrer Verantwortung ausgesetzt.

Eine gleichwertige Respektierung bei Diskussionen über Massnahmen von beiden Seiten  - die der Wissenschaft und die des Praktikers -   bringt einer gefährdeten Glasmalkunst ein-deutig mehr Vor- als Nachteile.
Solange sich in dieser Situation nichts im positiven Sinne verändert,  soweit wird mehr oder weniger die Substanz darunter zu leiden haben.

Viele Exponenten der Historischen Wissenschaft, unterschätzen oder verdrängen aktuell, den ursprünglichen Stellenwert einer verarbeitungstechnisch seriösen Umsetzung auf diesem Gebiet. Für die Aufgabenerfüllung von Sicherungs- und Sanierungsmassnahmen an gefährdeter Glasmalerei.

In jüngster Zeit bestimmt sie zunehmend autonom, was an schadhaften Glasgemälden umzusetzen ist und was nicht. Ihre subjektive Vorstellung geht davon aus, daselbst möglichst vorbehaltlos nach ihrer Vorstellung handeln zu müssen, sich bisweilen bloss auf ein paar unverbindliche Eingriffe beschränken zu wollen. Obschon ihnen die rein kunsthandwerklich profunde Kenntnis völlig fehlt. Rein theoretisch sehen sich Einzelne schon jetzt auserkoren, bloss ausgerüstet mittels ein Paar schützender Handschuhen, Pipetten, Pinzetten, Hybrid-Kunststoffprodukten und etwas gesondertes Reinigungsmaterial aufzuwarten, um gleich selber am Ort aktiv werden zu können.
Ein völliger Irrsinn, inwieweit sich hier solche Akademiker in „ihrer spielerischen Art“ krampfhaft halten zu versuchen, aktiv werden zu wollen? Aber keiner müsste Rechenschaft über sein unprofessionales Verhalten abgeben.

Also stehen sie im Widerspruch zur vehementen Verteidigung, einer glaubwürdigen Substanz-Erhaltung den Vorzug zu überlassen.

Noch stünden freie Kapazitäten zur Verfügung, sich den langjährigen Erfahrungen einiger Glasmaler-Ateliers als Dienstleister im Interesse dieser Kunstform nutzbar zu machen. Aber leider bestätigt sich einmal mehr, wie sich in  der Tendenz der allgemeinen Verunsicherung, die Entscheidungsträger immer weiter von einem  ernstzunehmenden Kunsthandwerk distanzieren – viele haben sich mit diesen Zusammenhängen des Kunsthandwerks nicht einmal annähernd vertraut gemacht. Wie können solche Exponenten den Stellenwert von Richtlinien vertreten oder am Ort des Geschehens begleiten ? 

Kirchenfenster in der Evang.-reform. Kirche Roggwil /BE 1923/24
Neue Kirchenfenster im Kirchlichen Zentrum von Toffen /BE
Entwurf ©Martin Halter, Ausführung daselbst mit dem eigenen Atelier-Team 2012

Neben traditionell ausgeführten Glasmalereien, werden ebenso Glaskunst-Inszenierungen in der Architektur realisiert. Im Dialog mit dem Auftraggeber werden verschiedene Optionen erörtert, um sich vorerst mit der Umsetzung eines Thema's auseinanderzusetzen. 

Andererseits werden gleichzeitig die örtlichen Gegebenheiten, Wünsche  und Bedürfnisse angesprochen. Ein weiterer Faktor bedingt, dass die Lichtverhältnisse ebenso, wie auch die Service-Freundlichkeit thematisiert bleiben. Erst durch eine genaue Abklärung kann sich dereinst ein Projekt auf die räumlichen Gegebenheiten ausrichten und sich real nach der technischen Verarbeitung als Bestandteil einer architektonischer Kreation integrieren.